Artikel, Photobooth

Photobooth – Teil 1

Hardware und Software

Im Rahmen meiner Aufgabe des Monats für Juni 2017 habe ich den Start meines Photobooth-Projekts eingeleitet. Im ersten Teil beschäftige ich mich mit der Technik – Hardware und Software.

Wichtig ist es für mich, dass alles erstmal grundlegend funktioniert. Ich möchte per Funkauslöser ein Foto machen, welches dann automatisch auf dem Monitor angezeigt wird. Das Ganze soll über einen Raspberry Pi realisiert werden.

Der fertige Photobooth soll dann so Mobil wie möglich sein und inklusive Blitz mit nur einem Stativ auskommen.

Die Hardware

Zur Umsetzung meines Projekts nutze ich folgende Hardware.

  • Kamera: Canon EOS 60D (Spiegelreflex) mit Sandisk microSD 32 GB
  • Objektiv: steht noch nicht endgültig fest (es wird wohl auf das Kit-Objektiv Canon EF-S 18-55mm STM hinauslaufen, welches z.Z. leider nicht mehr in meinem Besitz ist.
  • Funkauslöser: 2x Yongnuo RF603C
  • Monitor: Samsung Syncmaster 19 Zoll (Kleinanzeigen, 15 € 😉 )
  • Kabel: USB – Typ A auf USB – Mini-B und Auslöserkabel (liegt dem Yongnuo RF603C bei)
  • Computer: Raspberry Pi 3 mit Sandisk microSD 32 GB
  • Netzteil: normales Tabletnetzteil – Samsung 5V 2A

Vorteil des Raspberry Pi ist, dass er schön klein und auch günstig ist. Nachteil – ich habe keine Ahnung von Raspberry’s und Linux. Da dies wohl den meisten (zumindest in meinem Umfeld) so geht, werde ich in diesem Artikel auch auf die Installation des Raspberry Pi eingehen.

Die Software

Installation – Raspbian

Ich gehe davon aus, dass ihr wisst wo die einzelnen Kabel eingesteckt werden, wir beschäftigen uns daher direkt mit der Installation auf dem Raspberry Pi. Weiter gehe ich davon aus, dass ihr mit dem Explorer (Windows) oder eben mit dem Finder (macOS) umgehen könnt – der Dateimanager unter Raspbian funktioniert genauso.

Der Raspberry PI 3 wird im Normalfall mit einer Micro SD – Karte betrieben. Diese muss auf das Format FAT32 formatiert werden, was problemlos unter Windows möglich ist.

Jetzt wird das Betriebssystem heruntergeladen. Da ich noch andere Dinge mit dem Raspberry vor habe und es oft für Einsteiger empfohlen wird, habe ich mich für Raspbian entschieden.

Raspbian lässt sich auf mindestens zwei Wegen installieren. Ich habe mich für den einfachen Weg mit NOOBS entschieden.

Die einzelnen Schritte in Kurzform.

  1. Speicherkarte auf FAT32 formatieren.
  2. NOOBS hier downloaden.
  3. Inhalt der NOOBS_xx.zip auf Speicherkarte kopieren.
  4. Speicherkarte in Raspberry Pi und anschalten bzw. Netzteil einstecken. NOOBS Installationsmenü wird geöffnet.
  5. Raspbian (full desktop version) auswählen und die Sprache sowie das Tastaturlayout auf deutsch einstellen. Ich habe bereits hier mein WLAN-Netzwerk eingerichtet.
  6. Zum installieren auf „Installieren“ klicken :-). Die Abfrage bestätigen.

Nach der Installation startet Raspbian. Wir sollten nun einige Grundeinstellungen vornehmen. Die Himbeere oben links ähnelt dem Startmenü von Windows.

Also: „Himbeere“ > Preferences > Raspberry Pi Configuration

Aus Sicherheitsgründen sollte das Passwort und der der Username  geändert werden. Für diese Anleitung belassen wir es jedoch bei den Standardwerten.

  • Im Reiter „Localisation“ ändern wir die „Timezone“ auf  Europe und Berlin.
  • „Keyboard“ wird auf Country = Germany geändert.
  • „WiFi Country“ auf DE Germany.
  • Wollen wir rebooten? Na klar.

Im Anschluss sollte ein Update durchgeführt werden.

Hierfür öffnet ihr das LXTerminal. Ihr findet es in der Menüleiste – das schwarze Viereck. In dem geöffneten Terminal wird folgendes eingegeben.

sudo apt-get update

und dann

sudo apt-get upgrade

Zwischenzeitlich muss mit „J“ bestätigt werden.

Nachdem das Update abgeschlossen ist empfehle ich einen Neustart – „Himbeere“ > Shutdown > Neu starten. Das System ist nun auf dem neusten Stand.

Installation – gphoto2

Wir öffnen das LXTerminal und geben folgendes ein.

sudo apt-get install gphoto2

Es muss wieder mit „J“ bestätigt werden.

Kommt es bei der Installation zu Fehlermeldungen solltet ihr einen Neustart und eine erneute Installationseingabe im Terminal versuchen. So hat es bei mir funktioniert.

Installation – Freebooth

Falls noch nicht geschehen, kann hier die Freebooth-Software herunterladen werden.

Der Inhalt der FreeBooth_0.8.5.zip (FreeBooth_0.8.5 – Ordner) kann an einen Ort eurer Wahl kopiert werden. Ich empfehle das Hauptverzeichnis „pi“.

Den Ordner habe ich in FreeBooth umbenannt, damit es später beim Eintippen im Terminal nicht so nervig ist.

Eine richtige Installation der FreeBooth – Software ist nicht notwendig.

Weitere Vorbereitung

Wenn wir die Kamera per USB anschließen und anschalten, wird sie von Raspbian direkt eingebunden. Für die Nutzung über gphoto2 ist sie damit blockiert.

Das automatische Einbinden muss somit abgestellt werden.

  1. Dateimanager öffnen
  2. in der Menüleiste – Bearbeiten > Einstellungen  > Datenträgerverwaltung
  3. die drei Häkchen entfernen
  4.  auf Schließen klicken

Damit die Bild-Übertragung von der Kamera zum Rechner nicht zu lange dauert, stelle ich die Kamera so ein, dass nur JPEG’s übertragen werden. Für Photobooth-Fotos reicht mir hier die mittlere Größe – bei der Canon 60D sind das 8 Megabyte pro Foto.

Soweit ist alles fertig und wir können loslegen.

Informationen zur Funktionsweise

Bevor wir nun wirklich loslegen noch einige Informationen zu der Funktionsweise von FreeBooth und gphoto2.

  • Gphoto2 ist dafür zuständig, dass das Foto von der Kamera auf dem Raspberry Pi landet. Das Programm überträgt das Foto in einen zuvor gewählten Ordner.
  • FreeBooth überwacht den zuvor festgelegten Ordner und zeigt in der Grundfunktion immer das neuste Foto aus dem Ordner an.
  • Der in FreeBooth festgelegte Standardordner ist „FreeBooth/images“.

Los gehts!

Die Kamera wird per USB mit dem Raspberry Pi verbunden.

Als erstes starten wir gphoto2. Gphoto2 überträgt die Fotos direkt in das Verzeichnis aus welchem es gestartet wird.

Bei den weiteren Schritten gehe ich davon aus, dass die Standardeinstellungen beibehalten wurden und sich der FreeBooth – Ordner in dem Hauptverzeichnis „pi“ befindet.

Bei Eingaben im LXTerminal muss die Groß- und Kleinschreibung beachtet werden!

Wir öffnen ein LXTerminal und wechseln deshalb direkt in das Verzeichnis „FreeBooth/images“.

cd Freebooth/images

Damit gphoto2 das jeweils gemachte Foto überträgt (Tethering) geben wir folgendes ein.

gphoto2 --capture-tethered

Gphoto2  ist nun in einer Art Wartezustand. Sobald wir ein Foto machen, wird dies übertragen.

Wenn wir eine Probeaufnahme machen, finden wir das Foto nun auf dem Raspberry Pi  – schaut einfach mal über den Dateimanager nach.

Mit der über Raspbian installierten gphoto2 – Version und der Canon 60D gibt es ein kleines Problem. Das aufgenommene Foto wird zwar auf dem Raspberry Pi aber nicht auf der Speicherkarte meiner Kamera gespeichert. Gphoto2 löscht das Foto automatisch von der Kamera. Dies ist für die Funktion des Photobooths zwar nicht einschränkend, eine Sicherheitskopie auf der Kamera hätte jedoch auch nicht geschadet.

Meine Recherchen und bisherigen Versuche haben leider nicht geholfen. Aus früheren Tests mit gphoto2 weiß ich jedoch, dass es generell möglich ist.

Über Lösungswege würde ich mich sehr freuen.

Wird  im Dateimanager unter FreeBooth/images kein Foto gefunden, können wir mit

gphoto2 --auto-detect

sicher gehen, dass unsere Kamera tatsächlich erkannt wird und unter welchem Port sie angeschlossen ist. Wird deine Kamera nicht erkannt, solltest du hier schauen ob sie von gphoto2 unterstützt wird.

Wird die Kamera erkannt (bei mir unter Port usb:001,007), probieren wir folgendes aus.

gphoto2 --port usb:001,007 --capture-tethered

Sollte es weiterhin nicht funktionieren, kann ich leider nicht weiterhelfen.

Funktioniert alles, starten wir die FreeBooth – Software.

Hierfür öffnen wir ein zweites Terminal und wechseln mit

cd FreeBooth

in unseren Freebooth-Ordner. Nun geben wir

java -jar „FreeBooth.jar"

ein.

In dem FreeBooth-Menü können wir nun verschiedene Einstellungen vornehmen. Wir gehen jedoch gleich auf „Photobooth starten“. Es öffnet sich der Bereich, wo später die Fotos angezeigt werden, eventuell wird sogar schon das vorherige Testfoto angezeigt.

Durch erneutes Auslösen der Kamera, erscheint nun das jeweils aktuelle Bild auf dem Monitor.

Mit Escape (Esc) kann die Photobooth-Oberfläche verlassen werden.

Möchtet ihr, so wie ich, nur die Bildanzeigefunktion nutzen, könnt ihr unter  Einstellungen > Online-Modus in den Modus „Classic“ wechseln. Hier nehmt ihr den Haken aus „Aktiviere teilen per Email“.

Die Pfeile links und rechts von dem jeweiligen Foto kann man leider nicht abschalten. Sind aber mit einem Touchdisplay auch ganz nützlich.

Die weiteren Funktionen schaut ihr euch am Besten selbst mal in Ruhe an.

Viel Spaß beim Ausprobieren.

 

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Mein Testaufbau.